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Pfelders – Masterplan

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Die Zukunft von Pfelders - alpitecture code 3-11

Workshop Masterplan
Moderation: Martin Mutschlechner
Organisation: EOS - Export Organisation Southtyrol, AP35

Die Ergebnisse aus den Workshops, Samstag 28.05.2011, Handelskammer Bozen
Prolog

Mit alpitecture code 3-11 fand die Plattform zur Kommunikation neuer Ideen aus den Themen Alpen, Technologie und Architektur vom 26.-29.05.2011 zum dritten Mal mit 28 Teilnehmern statt. Über 120 international tätige Architekten und interdisziplinäre Fachleute diskutierten bisher den Status quo in Forschung und Gesellschaft. Sie entwickelten neue Methoden und Modelle im Umgang von Architektur in den Alpen. alpitecture ist die Verschmelzung der englischen Wörter alps, technologies und architecture. Das Kunstwort verdeutlicht die Vernetzung der drei Themen um gemeinsame Synergien zu bewirken. Südtirol, in der Mitte der Ost- und Westalpen, verbindet Alpin mit Mediterran, Spontanität mit Verlässlichkeit, Natur mit Kultur. Diese Region mit ihrer reichen Vielfalt bildet den idealen Rahmen um über die Alpen als extremen Lebensraum, Architektur als gestaltetes Lebensumfeld und zukunftsfähige Technologien nachzudenken. Internationale Wertschätzung für Architektur in einer hohen Qualität sowie Synergien, die in Verbindung aller Experten und produzierender Unternehmen zu einer Realisierung dieser Architektur führen, sind die langfristigen Ziele von alpitecture. alpitecture ist angeregt von ap35 und initiiert von EOS. – Export Organisation Südtirol der Handelskammer Bozen – und wird getragen durch die Unternehmen der Bauwirtschaft in Südtirol.

Während der vier Tage von alpitecture code 3-11 erhielten die Teilnehmer kompakte Informationen über Südtirol und seine Baukultur in Vorträgen und einer Exkursion zu zeitgenössischer Architektur. In den besuchten Bauwerken stellten die Südtiroler Partnerunternehmen ihre Kompetenz und Leistungen anschaulich dar. Rund 150 Architekten aus Südtirol besuchten den öffentlichen Teil der sonst geladenen Veranstaltung am Abend des zweiten Tages um die Vorträge von Reinhard Joecks, Partner bei Foster + Partner, London, zum Thema Performance und Prof. Alexander Schwarz, Managing Director David Chipperfield Architects, Berlin, zum Thema Kontext und Kontinuität im KiMM in Meran zu hören. Den Schwerpunkt bildet ein Workshoptag mit drei parallel zu bearbeitenden Themen zur baulichen Entwicklung des Bergdorfs Pfelders. Tourismus und traditionelles Dorfleben müssen sich ergänzen um Interessenskonflikten entgegen zu wirken und die Basis für eine zukünftige bauliche Struktur zu ermöglichen. Geadelt wurde alpitecture code 3-11 durch ein Gespräch der Teilnehmer mit Reinhold Messner auf Schloss Sigmundskron am letzten Tag. Er erläuterte seine realisierte Projekte und seine Ansichten über Bauen in den Alpen.

Die Workshops
Thema der Workshops war die künftige strukturelle Entwicklung des Bergdorfes Pfelders im Passeiertal / Südtirol. Die Architektengruppe hatte Pfelders bereits am 26.05.2011 am ersten Tag des Aufenthaltes besucht und sich auch in Anwesenheit des Bürgermeisters ein Bild von der Gemeinde machen können. Pfelders – ehemals eine alpine Streusiedlung – weist nur noch wenige Beispiele der früher überwiegend landwirtschaftlichen Struktur auf. Der Tourismus bestimmt heute das Bild und die Lebensgrundlage des Dorfes mit 230 Einwohnern. Ein starker Verdrängungswettbewerb prägt derzeit aber auch in Südtirol den Tourismusmarkt. Eingebunden in den Tourismusverein Passeiertal der Ferienregion Meraner Land versucht Pfelders bei den heute immer besser informierten Gästen eine einzigartige Stellung zu erreichen. Ein erster – weithin beachteter – Schritt, war die Sperrung des Ortes für den Fahrverkehr mit Ausnahme der Fahrzeuge von Einwohnern. Gäste parken seitdem ihre Autos vor einer Schranke zur Ortseinfahrt an der Talstation der Seilbahnanlage. Gerade die Gäste, die ihren Ferienaufenthalt im Ort gewählt haben, wissen die Ruhe vor den zahlreichen Fahrzeugen der Tagesgäste sehr zu schätzen. Ein erfolgreicher Schritt für die weitere Ortsentwicklung. Die Ankünfte und Nächtigungszahlen überwiegend deutscher (61%) und italienischer (21%) Gäste vor allem in 3-Sterne Hotels haben seit dem Jahr 2000 ständig zugenommen. Derzeit werden 52.000 Übernachtungen in den 400 Gästebetten der 22 Gastbetriebe des Dorfes im Jahr gezählt. Es handelt sich meist um Aktivurlauber (Wandern und Skisport) und zahlreiche Stammgäste, die vermehrt nach Wellnessangeboten fragen und für die sanftes alpines Naturerleben im Mittelpunkt steht. Hohe Identität der Südtiroler Ursprünglichkeit wird dabei gewünscht. Rummel und Massenbetrieb stehen diesen Vorstellungen entgegen. Für die Gäste stehen 7 Restaurants und 2 Skihütten gastronomisch zur Verfügung. Veranstaltungen wie Almabtrieb, Wanderfest, Skapuliersonntag und das Kirchenfest „Hoch unser Frauen“ am 15. August bilden Höhepunkte des gesellschaftlichen Lebens zusammen mit den Besuchern. Für den Tourismus besteht seit 2007 eine Kombiseilbahn und seit 2009 der Karjochlift mit insgesamt 10 km Skipiste, die im Winter mit dem Dorfexpress, zwei Citybussen und einer stündlichen Busverbindung von Meran erreicht werden können. An Dorfstrukturen bestehen neben dem Gemeinderat die Volksschule, die Feuerwehr, die Bergrettung, der Alpenverein und der Chor. Vor einigen Jahren hat die Skilift Pfelders GmbH ein Wasserkraftwerk gebaut und produziert damit u.a. auch den Strom für die Skilifte und Schneekanonen. Der Stromüberschuss wird in das öffentliche Netz eingespeist. Die Workshop-Aufgaben Wie soll sich nun der kleine Ferienort Pfelders vor diesem Hintergrund künftig positionieren? alpitecture code 3-11 stellte den 28 Architekten deshalb die Aufgabe für drei Entwicklungsschwerpunkte eine Vorstellungen von Pfelders zu entwickeln: - ein Masterplan - ein Wellness-Gebäude bzw. Spa-Gebäude - ein 80-100 und mehr Betten-Hotel.

Masterplan Pfelders

unter der Leitung von Dr.arch. MA DI Martin Mutschlechner, Innsbruck

Team: Jürgen Bartenschlag, Matthias Feuer, Heinz Franke, Philip Gell, Markus Hebel, Hannes Ladstätter, Mauritz Lüps, Christine Mayr-Baldauf begleitet von Michael Purzer, Jakob Meraner und Andreas Pfetsch.

Aufgaben: Wie kann das Ortsbild erhalten und fortentwickelt werden? Wo sind die „Grenzen“ (auch des Wachstums)? Wie kann die ansässige Bevölkerung gehalten werden? Landschaftsschutz, Lawinenzone, Nachverdichtung und Lage von Hotel und Spa? Was kann den Ort besonders auszeichnen?

Die Mitglieder der Arbeitsgruppe hatten sich in zwei Teams aufgeteilt. Die Gruppe 1 (Jürgen Bartenschlag, Heinz Franke, Markus Hebel, Hannes Ladstätter, Christine Mayr- Baldauf, Jakob Meraner, Michael Purzer) stellte das Masterplankonzept unter dem Titel www.st. Vor. Dabei sollen die drei W für WIR, WEILER und WILLKOMMEN stehen.

WIR – das ist die alte und neue Dorfgemeinschaft der Einwohner
WEILER – steht für den Dorfcharakter des Verweilens, der Ruhe und der Erholung
WILLKOMMEN – ist die temporäre Integration der Gäste mit Familienanschluss

Für die Durchsetzung des WIR wurde eine Strategie zur Stärkung der Eigenkräfte und Energie der Bewohner von Pfelders vorgeschlagen. Identität schaffen mit Hilfe einer genossenschaftlichen Kommunikationsplattform zur Selbstkontrolle und –reflektion. Ein Sozialfonds könnte dabei die erforderlichen Investitionen ermöglichen. Erprobt werden sollte dieses Modell durch ein „Anschubprojekt“ – den Eisplatz – der am Ortseingang zum Treffpunkt für alle sein kann. Der WEILER sollte klare Grenzen im Tal mit Wildbach, Wald und Hängen behalten und seine weitere Entwicklung durch Innenverdichtung erfahren. Die neuen Gebäude sollten sich an den ursprünglichen und traditionellen Gestaltungsformen orientieren. Entlang der aus dem Tal kommenden Straße öffnet sich der Dorfrand in Form eines weit gefassten U (im Plan links des bestehenden Parkplatzes). Diese einladende Geste kann durch die sukzessive Verdichtung der bestehenden Bebauung verstärkt werden. Damit wird der Dorfrand klar formuliert. Das Zentrum des U ist der zentrale Ankunftspunkt für Besucher und Bewohner. Das bestehende Feuerwehrgebäude sollte in die neue Bebauungsstruktur integriert werden. Ziel ist es kleinteilige aber stark verdichtete räumliche Strukturen zu schaffen in denen sich Flächen für das Genossenschaftsprojekt Tourismus, aber auch multifunktional gemeinschaftlich nutzbare Räume für z.B. Raum der Musik, Bibliothek, Kochküche, betreutes Wohnen etc. geschaffen werden. Die Räume können nach und nach entwickelt werden. Kleine Treppen, Rampen und Aufzüge verbinden die Räume. Hier steht eine behindertengerechte Erschließung im Mittelpunkt. Die bestehenden Verkehrsflächen sollten auf eine Hauptader reduziert und die nicht benötigten Verkehrsflächen rückgebaut werden. Auch Nebenwege sollten durch entsprechenden Bodenbelag z.B. traditionelles Rundsteinpflaster gestaltet werden. Das Wegenetz verknüpft erlebbare, spannungsreiche, überraschende Pfade zu speziellen Orten, wie entlang des Baches zum Kraftwerk, im Wald, zu Aussichtspunkten oder zum Dorfladen. Das WILLKOMMEN soll durch den dauerhaft bewohnten Ort mit Vermeidung der Abwanderung erreicht werden. Turmartige Randbebauungen ohne Grenzüberschreitungen könnten dabei Signalwirkung für die Aufnahme von Gästen erhalten. Der Ortseingang sollte klar definiert sein und als Tor, bzw. Leuchtturm für die ankommenden dienen. Hier erhalten sie alle relevanten Informationen zu Pfelders.

Die Gruppe 2 (Matthias Feuer, Philip Gell, Mauritz Lüps, Martin Mutschlechner, Andreas Pfetsch) sah die Entwicklung des Masterplans mit einer Perspektive von 20-40 Jahren unter dem Begriff SLOW VILLAGE vor.

Die Gruppe 2 setzte sich folgende Ziele, die innerhalb des Masterplans berücksichtigt werden sollten.

  • Die baulichen Grenzen des Ortes
  • Definition von Flächen
  • Neues Mobilitäts- und Verkehrskonzept
  • Untersuchung der Hotel- und SPA-Flächen
  • Nachverdichtung der Bestandsflächen
  • Umnutzung der Straßenflächen
  • Öffentlicher Raum am Beispiel eines Kaskadenbads am Wildbach

Die Gruppe startete mit einer SWOT-Analyse um die Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken von und für Pfelders zu definieren. Die Analyse dient als Grundlage für die Erreichung der formulierten Ziele.

Die Stärken von Pfelders mit folgenden Stichwörtern beschreiben: Geografische Lage | Natur, Ursprung, Ideale | absurd, klein, Blicke | Klösterlich | Dorfgemeinschaft | Archipel, Resort | Energetische Selbstversorgung | Bereitschaft
Schwächen sah die Gruppe in: Urbaner Raum-/ Lebensraum | Topografie, Nordseite | Infrastruktur | Mobilität / Verkehr | Kitsch | Dilettantismus | Schall, Wiederhall | Räumliche Enge
Die Chancen für den Ort sah die Gruppe in: Das Besondere / neue Arbeitslätze | Veredelte Landwirtschaft | Technologie / Innovation | Mobilitätskonzept | Privacy | Finanzierung durch eigene Kraftwerke | Chance Management | Wirtschaftliche Gemeinschaft
Als Risiken wurden erkannt: Entsiedelung und Abwanderung | Gegeneinander satt Miteinander | Investor | Momentum

Alle Maßnahmen zur baulichen Entwicklung von Pfelders sind eng verbunden mit dem Tourismuskonzept des Ortes. Das Konzept muss für die Zielgruppe attraktiv sein um die getätigten Investitionen langfristig zu rechtfertigen. Die Gruppe sieht den idealen Gast für Pfelders als jung, wohlhabend und introvertiert - im Sinne von gebildet und an einer ökologischen Lebensweise orientiert.

Der ideale Gast wird Pfelders aufgrund der natürlichen Ressourcen von Natur, Ursprünglichkeit und alpiner Abgeschiedenheit besuchen. Er reist in das SLOW VILLAGE. Autos sollten dabei schon im 10 km entfernten am Taleingang liegenden Ort Moos abgestellt werden. Die Reise nach Pfelders erfolgt von dort mit der Pferdekutsche. In Pfelders erfolgt die Haupterschließung durch einen unterirdischen Tunnel, der auch alle Stränge der High- Tech-Versorgung enthält und unter dem Bett des durch den Ort umgeleiteten Wildbach angelegt wird. Die neuen Grenzen des Ortes sollen durch den Lawinenhang und den Wald definiert werden und den jetzigen Umfang nicht überschreiten. Kleinteiliges Wohnen kann durch Nachverdichtung der bestehenden Bebauung ermöglicht werden, u.a. auch mit Türmen. Dadurch könnte sogar eine Verdoppelung der bestehenden Kubatur in den vorhandenen Grenzen des Ortes erreicht werden. Der ideale Ort für das SPA-Gebäude ist am ursprünglichen Wildbach gelegen. Das bauliche Volumen wird dabei in die Topografie eingebunden. Die Aussicht aus der Bäderlandschaft erfolgt in das Bachbett und den unbebauten Naturraum.

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